Was ist BDSM?

Die Abkürzung BDSM steht für die drei Hauptbereiche „Fesseln (Bondage) & Disziplin“; „Dominanz & Unterwerfung (Submission)“ und „Sadismus & Masochismus“. Das bedeutet nicht, dass man sich in einen Bereich einsortieren oder gar alle Bereiche "abarbeiten" muss - vielmehr sind es Möglichkeiten, innerhalb derer man seine Vorlieben finden kann. Manche Menschen mögen die Missionarsstellung, andere fesseln ihren Partner beim Sex gerne an's Bett und wieder andere lassen sich gerne spielerisch den Hintern versohlen. Das eine ist nicht besser oder schlechter als das andere. Dabei gibt es auch keine allgemein gültige Definition, wo genau BDSM beginnt - für jeden enthält es andere Aspekte. Auch gibt es keinen Zwang, irgendetwas machen zu müssen, um als „echter“ BDSMler zu gelten - die Welt des BDSM ist so vielfältig, wie die Menschen, die es betreiben. BDSM ist dabei Ausdruck ihrer sexuellen Identität und Vorlieben.

BDSM-Spiele finden immer im Rahmen gemeinsamer Absprachen statt. Insbesondere wird zuvor über die Tabus und Grenzen aller Beteiligten gesprochen, damit von Anfang an klar ist, was nicht passieren soll. Im BDSM wird niemand tatsächlich zu etwas gezwungen, das er nicht möchte - auch ein Rollenspiel mit Betteln und Flehen ist letztlich nur eine abgesprochene Szene in beiderseitigem Einverständnis. Diese Einvernehmlichkeit ist unter "SSC" zusammengefasst.  Diese Abkürzung steht für „Safe, Sane & Consensual“ also „sicher, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich“.

Um jederzeit sicherzustellen, dass das Spiel einvernehmlich bleibt und niemandem Dinge passieren, die er oder sie nicht möchte, wird oftmals ein sogenanntes Safeword vereinbart, mit dem das Spiel (die „Session“) jederzeit unmissverständlich abgebrochen werden kann. Das Safeword ist dabei ein spezielles Wort (z.B. „Mayday“), das in einem normalen Spiel nicht vorkommt, und das daher eindeutig und unmissverständlich für Abbruch steht.

Einen guten Überblick gibt auch der Wikipedia-Artikel zu BDSM. Buchrezensionen zum Thema BDSM sind auf unserer Bücherseite zu finden.

Oben und Unten

Ein BDSM-Spiel findet in der Regel zwischen einem aktiven und einem passiven Part statt. Der passive Part (auch "Bottom" oder "Sub" genannt) nimmt dabei die Rolle des „Opfers“ ein, das im vorher festgelegten Rahmen spielerisch gefesselt, geschlagen oder gedemütigt, aber auch belohnt und liebkost wird. Sein Lustgewinn kommt dabei in der Regel von Gefühlen der scheinbaren Hilflosigkeit, des Ausgeliefertseins oder des „Erzogenwerdens“, und der Abgabe von Verantwortung in die Hände des vertrauten Partners. Er kann das Spiel natürlich jederzeit mit dem Safeword abbrechen, wenn es ihm doch zu viel werden sollte. Abhängig von den persönlichen Vorlieben kann sich der passive Part direkt unterwerfen, oder sich spielerisch überwältigen lassen.

Der aktive Part wird "Top" oder auch "Dom" genannt. Er ist derjenige, welcher den Passiven fesselt, bestraft, schlägt oder spielerisch quält, aber auch belohnt und liebkost. Dabei achtet er darauf, nur innerhalb der vorher gemeinsam festgelegten Grenzen zu agieren und beachtet sowohl den körperlichen als auch emotionalen Zustand seines Partners. Für den Aktiven kommt die Lust am Spiel in der Regel davon, im abgesteckten Rahmen Macht über den Passiven auszuüben, diesen zu kontrollieren oder gar spielerisch zu erziehen.

Die meisten BDSMler finden sich meistens vorherrschend in einer der beiden Rollen wieder. Es gibt allerdings auch einige, die zwischen aktivem und passivem Part in unterschiedlicher Ausprägung wechseln, sogenannte "Switcher".

Im Folgenden werden die häufigsten Spielarten des BDSM näher erläutert.

Bondage (Fesseln)

Mit diesem Wort werden alle Tätigkeiten beschrieben, bei denen der Partner gefesselt oder auf andere Art in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird. Als Mittel zum Zweck dienen oftmals Seile und Handschellen, aber es finden auch Lederriemen, Ketten, Klebeband oder andere geeignete Gegenstände Verwendung. Für den Bottom liegt der Lustgewinn dabei oft in der eigenen scheinbaren Hilflosigkeit und der Vorstellung, dem Partner wehrlos ausgeliefert zu sein. Der aktive, in diesem Falle der fesselnde Part kann sich an den vergeblichen Befreiungsversuchen und seiner scheinbaren Macht über den Gefesselten erfreuen. Hierbei achtet der Top besonders auf das physische und psychische Wohlergehen seines "Opfers", so dass etwa die Seile nicht zu eng angezogen werden, um Abschnürungen oder andere gesundheitliche Risiken zu vermeiden.

Discipline (Disziplin)

Bei dieser Spielart geht es vorrangig um Regeln und Kontrolle (sogenannte "Erziehungsspiele"). Der aktive Part stellt Regeln auf und kontrolliert, dass diese vom Bottom auch eingehalten werden. Die Regeln können sich dabei auf ganz unterschiedliche Bereiche erstrecken. So können sie beispielsweise ausschließlich im Spiel gültig sein, oder aber in einem gewissen Rahmen Einfluss auf das alltägliche Leben haben. Ebenso weitläufig wie die Anwendungsbereiche sind auch die verschiedenen Arten von Regeln, beispielsweise während des Spiels eine bestimmte Anrede (z.B. "Herr") für den aktiven Part zu nutzen. Eine nicht befolgte Regel kann als Anlass für eine Strafe dienen. Die zuvor abgesprochenen Grenzen beider Partner werden in jedem Fall beachtet, sowohl bei den Regeln als auch bei etwaigen Strafen. Ein solches Spiel hat nichts mit tatsächlicher Bevormundung zu tun, sondern geschieht in einem gemeinsam abgesprochenen Rahmen, der beiden Partnern Erfüllung bereitet. Selbstverständlich können Regeln auch wieder aufgehoben oder verändert werden, wenn einer der Partner sie als nicht mehr passend empfindet.

Dominance (Dominanz) & Submission (Unterwerfung)

Bei dieser Spielart des BDSM wird ein freiwilliges und kontrolliertes Machtgefälle zwischen den Spielpartnern erzeugt und aufrecht erhalten. Der Bottom unterwirft sich seinem Top und gehorcht diesem im Rahmen der vereinbarten Grenzen. Wie weit Unterwerfung und Herrschaft reichen, definiert jedes Paar für sich selbst anders, es gibt große Spannweiten in der Ausprägung. Einige stellen ihrem Partner kleine Aufgaben, andere nehmen ihn beispielsweise an die Leine. Die Quellen des Lustgewinns sind ähnlich wie beim Bereich „Discipline“ und für beide Spielpartner eng miteinander verzahnt.

Das Machtgefälle kann sich allgemein auf zeitlich abgregrenzte Spiele (sogenannte "Sessions") beschränken oder teilweise mit in den Alltag übernommen werden. In letzterem Fall spricht man von 24/7 - für 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche. Eine mögliche Ausgestaltung ist beispielsweise, dass der Top seinen Partner jederzeit spielerisch unterwerfen kann. Dies bedeutet natürlich nicht, dass einer der Partner dabei seinen normalen Alltag aus den Augen verliert, es geht vielmehr darum, sich durch kleine Gesten und eventuelle Regeln des stetig möglichen Machtgefälles bewusst zu sein. Eine verbreitete Variante ist dabei das dauerhafte Tragen eines Halsbandes durch den Bottom, welches Verbundenheit und die spielerische Hierarchie auch in Abwesenheit des Doms symbolisiert.

Sadism (Sadismus) & Masochism (Masochism)

Obwohl der Begriff S/M oftmals synonym für BDSM als Ganzes verwendet wird, handelt es sich dabei lediglich um einen Teilbereich, der sich im Kern mit dem Zufügen bzw. dem gewollten Erleiden von Schmerzen beschäftigt. Die Praktiken dabei sind vielfältig: Sie reichen vom Schlagen mit der Hand oder diversen Instrumenten bis hin zu Wachsspielen oder auch Dingen wie Kneifen, Zwicken und Kitzeln.

Der aktive Part zieht seinen Lustgewinn dabei entweder aus dem Zufügen von Schmerzen an sich oder aus den körperlichen Reaktionen seines Gegenübers. Der passive Part kann sich dabei  komplett auf seine Eindrücke und Empfindungen konzentrieren, die dabei auch sexuell erregend sein können.

S/M-Spiele werden oftmals in Kombination mit anderen Praktiken wie beispielsweise Fesselungen oder Machtspielen ausgeübt und dienen dann beispielsweise der Machtdemonstration des Tops über den Bottom. Die genaue Ausgestaltung eines Spiels ist ebenso individuell wie vielfältig und reichen vom Durchkitzlen des Partners bis zu Hieben auf den Hintern als "Strafe" für ein bestimmtes Verhalten. Selbstverständlich wird auch hier darauf geachtet, dass die Grenzen beider Partner eingehalten werden und keine bleibenden gesundheitlichen Schäden entstehen.

Die hier beschriebenen einzelnen Teilbereiche sind Reinformen, die in realen Spielen nur schwer voneinander abgrenzbar sind, da sie nur selten allein ausgeübt werden. Meist wird mit einer Kombination verschiedener Praktiken und Teilbereiche des BDSM gespielt, z.B. Machtspiele oder Schläge verbunden mit Fesseln oder als Teil eines Rollenspiels.