An dieser Stelle findet ihr alle vorherigen Buchrezensionen, die an buchrezensionen(at)smjg.org eingesandt wurden.

Anna Bunt: Subjektiv - Aus dem Leben einer devoten Frau

In „Subjektiv" schildert Anna Bunt - autobiographisch angehaucht - die Entwicklung ihrer Protagonistin Anna.

Mit 18 Jahren lernt diese Andi kennen und verliebt sich in ihn. In der Folgezeit entwickelt sich eine sehr intensive, aber auch nervenaufreibende Beziehung zwischen den Beiden.

Bei ihren gemeinsamen sexuellen Eskapaden, aber auch abseits des Betts, bestimmt Andi zunehmend über Anna: Er benutzt sie, wann, wo und wie er will, demütigt und schlägt sie.

In immer stärkerem Maße vereinnahmt er ihr Leben, kontrolliert es und lässt ihr immer weniger Freiheiten.

Aber Anna genießt dies. So erlebt sie mit Andi ihren ersten Orgasmus mit einem Mann, unterwirft sich lustvoll seinen Anweisungen und - ohne wirklich zu reflektieren - lässt sie sich auch auf extremere Spielarten ein.

Als Andi sie schließlich betrügt, beendet Anna die zwar sehr innige, aber durch seinen Drogenkonsum und seine Eifersucht auch stark belastete Beziehung.

Nachdem sie sich mühsam wieder aufgerappelt hat, beginnt Annas Suche nach einem Mann, der ihre geweckten Sehnsüchte stillen könnte.

Es folgen Sexabenteuer, Suche im Internet, Beziehungen zu Vanillas und dergleichen mehr. Aber niemand kann ihr das geben, wonach sie sich so sehr sehnt.

Und so kommt es immer wieder zu kurzen, aber heftigen Begegnungen mit Andi, der nach wie vor genau weiß, wie er ihre dunklen Leidenschaften befriedigen kann. So ist es ein stetiges Wechselspiel der Gefühle, Hoffnungen und Enttäuschungen- bis Anna schließlich „ihrem" Dom begegnet.

„Subjektiv" lässt sich leicht und flüssig innerhalb weniger Stunden lesen und weiß durchaus zu fesseln.

Im Gegensatz zu anderen Büchern dieser Art verzichtet es weitestgehend auf tiefergehende Reflektion des Erlebten und schildert vielmehr das Leben einer jungen Frau, der erst mit der Zeit klar wird, dass sie devot ist und dass das, wonach sie sich sehnt, BDSM ist.

So erinnern Andis Verhaltensweisen zu Beginn auch oft eher an die Machoallüren eines typischen Südländers und Anna wirkt eher wie ein Opfer häuslicher Gewalt als dass man den Eindruck einer BDSM-Beziehung bekommt.

Relativ erschreckend und äußerst naiv wirken vor allem die geschilderten Treffen Annas mit diversen „Doms" aus dem Internet. Mit mehr Glück als Verstand lässt sie sich immer wieder neu auf ihr unbekannte Männer ein, trifft sie in ihren Wohnungen oder auf Partys und kommt dabei immer ohne Blessuren davon.

Alles in allem ein leicht zu lesendes Stück Unterhaltungslektüre, das insb. bei den „Internetdomgeschichten" auch zahlreiche witzige Stellen beinhaltet und vor allem zeigt, wie wichtig es ist, jungen Menschen mit der SMJG eine Anlaufstelle geben zu können, so dass sie aufgeklärt über Risiken hoffentlich reflektierter und bedachter ihre ersten Schritte hin zum Ausleben ihrer Neigung gehen - als dies etwa Anna tat.

Cornelia Jönsson - Spieler unter sich

Der Roman „Spieler unter sich" ist der 2. Teil der Spieler-Trilogie von Cornelia Jönsson. Hier wird die Geschichte vor allem von Pauline und Franzi aus dem ersten Teil weitererzählt.

Pauline ist nach der Trennung von Ann immer noch in einem tiefen Loch gefangen und kaum in der Lage, sich um irgendetwas zu kümmern, trotz der Versuche ihrer Freunde und Familie dies zu ändern. Ihr berufliches Vorankommen ist ihr egal, sie vermisst Ann über alles und all ihre Gedanken kreisen um Ann. Dies verändert sich im Laufe des Buches aber, nachdem sie sich erst mit Franzi einlässt und später eine Frau kennenlernt, Gertrud. Sie fängt an, in Gertruds Geschäft zu arbeiten, sich von ihr schlagen zu lassen, Sex mit ihr zu haben

Franzi und Marius werden von Katharina verlassen, was ihr Leben natürlich verändert. Franzi führt nicht länger Gefängnistheater auf, stattdessen stürzt sie sich auf erotisches Theater, was ihr wahrer und reiner und demzufolge mehr als Kunst erscheint.

Franzi lernt auf einer SM-Party Mo kennen und ihr Interesse an ihr ist geweckt, sodass die beiden eine Spielbeziehung eingehen.

Marius beginnt etwas mit Kelly, die aber nach kurzer Zeit Franzi eröffnet, dass sie nicht allzulange Marius mit ihr teilen will.Als Franzi Marius davon erzählt, glaubt er ihr nicht.

Damit endet dieses Buch und lässt einen mit Spannung auf den dritten Band der Trilogie zurück.

Ebenso wie „Spieler wie wir" hat mich auch dieses Buch sehr überzeugt.

Es lebt nicht von Klischees, wie die BDSMler sind, auch die Sprache ist nicht die eines billigen Erotikromans, sondern sehr angenehm zu lesen.

Besonders gut gefällt mir auch, dass nicht der Sex in Vordergrund steht, sondern die einzelnen verschieden gearteten Beziehungen der einzelnen Personen und dass es der Autorin gelingt, einem die einzelnen Personen näher zu bringen, sodass man z.b. den Liebeskummer Paulines gut mitfühlen kann.

Generell würde ich dieses Buch jedem empfehlen, der ein gutes Buch im Bereich Erotik sucht, nicht nur BDSMlern.

Douglas Kent - The better built Bondage Book

Dieses Werk ist ein Bastelbuch. Und meiner Meinung nach ein ziemlich gutes, auch wenn ich zugegebenermaßen abgesehen von diesem Werk nur „Vanilla“ Heimwerkerbücher kenne. Was dieses Buch in meinen Augen so besonders macht? Man kann aus all den Bastelstücken und auch den dazugehörenden Bastel- und Anwendungstips eine gewisse Liebe zum Detail dem „Spielen“ und der Neigung an sich herauslesen.
Es ist jedenfalls mehr als eine bloße Ansammlung von Konstruktionsplänen. Von einfachen Basteleien wie einem Schlaginstrument bis hin zu anspruchsvolleren Unternehmungen wie eine „Spanking Bench“ findet man in diesem Buch vielleicht nicht alles aber zumindest sehr viel.

Nur ein Problem für jene, die des Englischen nicht fließend mächtig sind: Meines Wissens nach ist dieses Werk bis jetzt nur in Englischer Sprache erhältlich und auch dies hierzulande nicht so einfach. Musste es, als ich es mir für eineinhalb Jahren gekauft habe, von Amazon.com importieren.

Was mir sehr positiv aufgefallen ist: Die Pläne und Anleitungen sind sehr leicht verständlich und eindeutig. Zumindest die nötige Theorie zum Bau dieser Projekte bekommt man sehr einfach vermittelt. Ich konnte zwar mangels eigener Werkstatt die meisten der Projekte in diesem Buch (besonders die größeren wie die „Spanking Bench“) noch nicht ausprobieren aber ich wäre zuversichtlich diese mit der enthaltenen Anleitung zustande zu bringen.

Was einem in diesem Buch alles erwartet:

Das Buch beginnt interessanterweise (nach einer kurzen Einleitung und Kapitelübersicht) mit einem Vergleich des metrischen und des amerikanischen Maßsystems. (Das Buch wurde in Amerika geschrieben). Bei den ganzen foot und inch Angaben werden aber in eckigen Klammern stets die uns eher vertrauten metrischen Maße mit angegeben, also davon bitte nicht abschrecken lassen. Danach folgen ein paar wenige Buchempfehlungen zu BDSM und ein paar Sicherheitsrichtlinien fürs Spielen. Ein kleiner Abschnitt, wie man die Pläne richtig lesen kann (also eine Erklärung der verschiedenen Diagramme wie zB der isometrischen Ansicht) ist ebenfalls vorhanden. Letzteres hat mir persönlich aber herzlichst wenig gebracht, da ich diese „Leistungen“ schon seit dem frühen Kindesalter völlig intuitiv vollbracht habe. Nämlich beim Verstehen und konsequentem Nicht-Beachten von Lego-Bauanleitungen.

Dann geht’s richtig los.

Materials:
Und zwar mit einer Übersicht über die gängigen Bastelmaterialien. Schrauben, Nägel, Haken, Kettenglieder und Flaschenzüge werden in erstaunlicher Detailtreue Beschrieben. Als nächstes geht’s ans Leder – Lederarten, Unterscheidungsmerkmale, zur Bearbeitung benötigtes Werkzeug werden ebenfalls gut beschrieben. Sogar eine empfohlene Messmethode für jene ohne Schublehre ist vorhanden. Eine kurze Übersicht über Farben und Lacke darf natürlich auch nicht fehlen, da bei vielen Projekten zB mit Holz gearbeitet wird und das will man ja nicht unbehandelt lassen?
Mein Lieblingsteil dieses Kapitels sind die „Pervertibles“. Also Alltagsgegenstände, welche man auch zum Spielen verwenden kann. Küchenutensilien, Lineale, elektrische Zahnbürsten und auch die TENS und Violet Wand Geräte (welche ja ursprünglich zu etwas ganz Anderem gedacht waren) finden sich hier. Für aus verschiedenen Gründen zur Improvisation genötigte (jugendliche) Perverse finden sich hier allerdings kaum Überraschungen.
Bambus und Rattan werden als Quelle für Rohrstöcke ebenfalls vorgestellt. Seile, Schaumstoffe bekommen ebenfalls Aufmerksamkeit.
Der größte Abschnitt in diesem Kapitel kommt allerdings dem Holz zu. Hart- vs. Weichholz, was man am besten nimmt und auf welche Defekte man achten muss.

Techniques:
In diesem Kapitel folgt eine Übersicht und Erklärung der im weiteren Verlauf benötigten Arbeitstechniken. Vom Umgang mit einer Kreissäge über den richtigen Umgang mit einer Bohrmaschine bis hin zum Hämmern und Sägen findet sich hier wohl alles um auch einem Anfänger die nötige Theorie zu geben um sich die praktischen Fertigkeiten selbst erarbeiten zu können. Und dazu noch mehr Knoten als man wohl jemals brauchen wird.
Wie man mit Leder arbeitet wird auch noch recht umfangreich beschrieben. Auch das Nachbearbeiten, Messen, Markieren etc. - da hatte ich zuvor keine Ahnung dass dies auch so … „ausgefuchst“ geht .
Das Gleiche dann nochmal für Metall und das Schmirgeln von Holz.

Skills:
Dieses Kapitel dreht sich um weiterführende Arbeitsweisen, zB wie man Haken und Ösen am Besten an der Decke befestigt oder Fesseln an einem Bett. Will man ein Schlaginstrument mit umwickeltem Griff verschönern? Es gibt eine mathematische Formel für das Berechnen der benötigten Länge des Wickelmaterials...
Auch das Umwickeln eines Griffes mit ineinandergeflochtenen (weiß nicht, wie ichs anders übersetzen sollte) Lederbändern wird sehr ausführlich dargestellt.
Es folgen Darstellungen von korrektem Peitschendesign (eher Flogger und dergleichen) und wie sich Abweichungen davon auf die Schlagtechnik auswirken können.

Quickies:
Ja, für dieses Kapitel wurde wohl McGyver als technischer Berater hinzugezogen. *g*
Schwere Kugel, wie sie in alten Filmen Sträflingen ans Bein gekettet wurde? Schnellhärtenden Zement und einen Basketball braucht man. Aus einem Holzsessel wird mit einem zusätzlichen Brett ein interessantes Fesselinstrument. Brustwarzen sind vor so ziemlich gar nichts sicher. Und besonders angetan hats mir der „Vampirhandschuh“.

Projects:
Hier gibts dann die Basteleien, die man sich wohl am ehesten von so einem Buch erwartet hat: Flogger (inklusive Griff mit geflochtenen Lederbändern), Rohrstock, Seilpeitsche, Fesselgeschirre, Manschetten aus den verschiedensten Materialien, Spielsachen mit Fernbedienung (zB Vibratoren) - hier werden Spielzeugautos ausgeschlachtet... bis hin zum selbstgebauten Vakuumbett (!!)

Plans:
Hier gibts im Großen und Ganzen detaillierte „Baupläne“ für so nützliche Gerätschaften wie eine gepolsterte Bank auf der man Sub platzieren kann, verschiedene Manschetten & Knebel, zusammenklappbaren Bock (ebenfalls fürs Sub oben drauf-tun) und mein Favorit: die zusammenklappbare „Spanking Bench“.
Und haufenweise Fesselinstrumente gibts hier auch noch.

Und damit hat man auch schon das Ende des Buches erreicht.

Meine Bewertung: 4.5 von 5.
Etwas umfangreicher hätte es schon noch sein können.

Maria/Bussen - Liebe an der Schmerzgrenze

In „Liebe an der Schmerzgrenze - Die Leichtigkeit des Leidens - 16 Gespräche über den Reiz des Sadomasochismus" zeigen Stephanie Maria und Tim Bussen in 16 umfangreichen Interviews wie facettenreich BDSM fernab der gängigen Klischees doch ist.

Männer, Frauen und Paare, unterschiedlichsten Alters, Schwerpunkten und Sehnsüchten kommen zu Wort.

Da wäre zum Einen Ariella, 20 Jahre alt, für die sich in ihrem BDSM alles um die möglichst authentische Auslebung ihrer Rape-Phantasien dreht. Nina und Alexander, die sich fern ihrer offiziellen Beziehungen jede Woche Raum für ihre Neigung und ganz eigene Beziehung schaffen. Die 32jährige Biologin Mia, der es völlig egal ist ob ihr Gegenüber auch Lust verspürt. Louise, die ihre Erfüllung als Sklavin ihres Arne im Total Power Exchange gefunden hat. Lady Velvet Steel, die eigentlich Switcherin ist und sich sowohl professionell als Domina, als auch auf privater Eben auslebt. Immer unter dem Gesichtspunkt: Warum sollte ich mich nur auf eine Seite beschränken? Und, und, und ...

Ich muss zugeben: Auf Grund des Covers hatte ich mir nicht sehr viel von diesem Buch versprochen. Bereits das Vorwort hat mich dann allerdings positiv überrascht. Schon nach den ersten Interviews habe ich es weiterempfohlen.

Die Interviews sind vielschichtig und abwechslungsreich, zeigen sehr unterschiedliche Menschen und die unterschiedlichen Geschichte ihres persönlichen BDSM. Stephanie Maria und Tim Bussen lenken die Interviews sehr geschickt. Die Fragen sind gut gewählt. Sowohl Standardfragen (Erstes Aufblitzen der Neigung, erste Erfahrungen, Entwicklungen, Vorlieben und Sehnsüchte, Tabus, worauf wird die Neigung zurückgeführt, etc.), als auch die individuellen Sichtweisen und Einstellungen des Einzelnen, werden abgeklopft.

Das Einzige was ich bemängeln würde wäre, dass der reine Sadist/Masochist etwas zu kurz kommen. Ein Interview mit jemanden, der wirklich nur der körperlichen Seite des BDSM etwas abgewinnen kann, hätte das Buch für mich gänzlich abgerundet.

Wer einen vielschichtigen Einblick in das gelebte BDSM hinter den Klischees erhalten möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.

Insbesondere auch Anfängern, die noch etwas mit ihrer eigenen Neigung hadern, sich erschlagen fühlen von der reinen Informationsflut, sich von den üblichen Klischees nur schwer trennen und deshalb das Schlagwort BDSM nur schwer mit ihren eigenen, persönlichen Sehnsüchten in Verbindung bringen können, sei das Buch wärmstens empfohlen.

Julia Strassburg: Was sie will

Gespannt habe ich auf Julia Strassburgs Erstlingswerk "Was sie will" gewartet, liefert sie damit doch den ersten FemDom-Roman in der Anais-Reihe ab.

Ihre Protagonistin Tessa lebt in Berlin, ist Fotografin und sie hat Spaß daran Männer zu quälen und zu dominieren. So auch Jan und Marc.

Marc lernt Tessa als Toyboy78 über eine SM-Internetcommunity kennen. Das erste Date endet in einem kleinen Desaster, aber dennoch geht er Tessa nicht mehr aus dem Kopf. Und so beginnt eine Zeit voller Sehnsucht, Begierde und Spielereien, aber auch Unsicherheit, Herzschmerz und der Offensichtlichkeit, dass Marc Geheimnisse vor ihr hat.

Und dann ist da ja auch noch Jan. Mitbewohner ihrer besten Freundin Gela, introvertierter Medizinstudent, der aufblüht wenn er dienen und bedienen darf. Und so wird er während seiner Semesterferien zum Teilzeitsklaven, Butler, Haushaltshilfe und Herrscher über Tessas Küche.

Und so beginnt eine nervenaufreibende Zeit für Tessa zwischen Herz und Verstand, Spiel und Verantwortung, Liebe und Freundschaft, Marc und Jan.

Auch in diesem Teil aus der Anais-Reihe gilt: Wer eine Aneinanderreihung expliziter Sex- und Spielszenen erwartet wird enttäuscht. Es gibt sie - keine Frage - teilweise subtil, teilweise sehr direkt, aber immer eingebettet in die Wirrungen rund um Tessas Welt.

Das Buch liest sich flüssig und wer sich innerhalb der BDSM-Szene etwas auskennt kann über Anekdoten über DIE BDSM-Internetcommunity, Umgangsformen, Klischees und den Umgang der Szenegänger untereinander, schmunzeln.

Gleichzeitig streut die Autorin über Tessas Gedankenwelt auch immer wieder kluge Aussagen über Liebe, SM und Partnerschaft ein.

Dennoch: Mir war Tessa auch über weite Strecken des Buches unsympathisch. Dies liegt insbesondere daran, dass sie sich in meinen Augen in weiten Teilen des Buches Jan gegenüber unverantwortlich verhält.

Allerdings: Auch das macht einen Reiz des Buches aus. Tessa ist nicht die perfekte, alles immer im Griff habende Domse, macht Fehler. Denn: Auch sie ist einfach eine Frau und abhängig von ihren Gefühlen und Stimmungen.

Alles in Allem: Schön, dass es endlich einen FemDom-Roman dieser Art aus der Anais-Reihe gibt, aber wirklich überzeugt hat er mich nicht immer. Dazu konnte ich persönlich mich streckenweise einfach zu wenig mit Tessa identifizieren.

 

SevenSins

Leopold von Sacher-Masoch: Venus im Pelz

Leopold von Sacher-Masoch: Venus im Pelz. Mit einer Studie über den Masochismus von Gilles Deleuze, Frankfurt a.M.: Insel Verlag 1980 (= insel taschenbuch 469).

Das Erscheinen von Leopold von Sacher-Masochs Roman Venus im Pelz löste 1869 keineswegs den Skandal aus, den man aus heutiger Sicht möglicherweise hätte vermuten können. Die geschilderten Phantasien von Unterwerfung, Schmerz und Versklavung erklärte man sich, wie es Gilles Deleuze im Anhang der Taschenbuchausgabe darlegt, aus der „slawischen Seele“ des in Lemberg (Galizien) geborenen Autors, so dass sie keinen Anstoß erregten. Dies ist für den heutigen Leser insofern verwunderlich, dass Sacher-Masoch heutzutage fast ausschließlich als Namensgeber für den Masochismus bekannt ist, jene Perversion, deren Symptome Krafft-Ebing 1886 in seiner Psychopathia Sexualis beschreibt. Sacher-Masoch war mit dieser Verwendung seines Namens nicht einverstanden und hat sich zeitlebens dagegen gewehrt. Eine verständliche Reaktion ist dies deshalb, da das damals schon abzusehende Resultat war, dass Sacher-Masochs literarisches Werk fast vollständig vergessen ist. Zu Lebzeiten war der Professor für Geschichte, der an der Universität in Graz lehrte, noch ein beliebter Bestsellerautor – heute ist er 'nur' noch Namensgeber des Masochismus, und die Venus im Pelz ist das einzige heute noch bekannte und rezipierte Werk.

Dieser Roman ist dafür in der heutigen nicht-kommerziellen BDSM-Szene umso wichtiger, da er den Status eines Klassikers erreicht hat und dementsprechend viel Beachtung findet. Auch muten die Beschreibungen der Passionen keinesfalls verstaubt an, sondern sind erstaunlich modern.

In der Rahmenhandlung besucht der namenlose Ich-Erzähler seinen Freund Severin von Kusiemski, der jenem sein Manuskript aushändigt, welches der Leser gemeinsam mit dem Ich-Erzähler liest und das so die eigentliche Romanhandlung darstellt. In dieser schildert Severin seine Liebschaft mit Wanda von Dunajew, einer reichen und schönen jungen Witwe. Er trägt den Wunsch an sie heran, ihr Sklave zu sein, über den sie nach Gutdünken verfügen kann. Wanda willigt schließlich ein und setzt Severins Phantasien in die Realität um, wobei auch der Pelz aus dem Romantitel als Fetisch eine tragende Rolle spielt. Wanda und Severin gehen nach Florenz, wo sie in einer Art 24/7-Verhältnis leben. Die Liebe ist jedoch zum Scheitern verurteilt, da sich Vorstellungen und Wünsche der beiden schlussendlich nicht in Einklang bringen lassen.

Der Roman bietet dabei mehr als Phantasien von Machtgefälle und deren Umsetzung, da durchaus auch gesellschaftskritische Töne anklingen: So schließt der Roman mit einem Appell für die Gleichstellung von Mann und Frau, von der man damals noch weit entfernt war.

Abschließend bleibt nur, eine Leseempfehlung auszusprechen, und zwar nicht nur für Femdoms und Malesubs (für die der Roman aufgrund der Konstellation das größte Identifikationspotential bietet), sondern für jeden, der sich auf literaturhistorischer Ebene mit BDSM auseinandersetzen möchte – und für jeden, der eine phantasievolle Liebesgeschichte (ohne schmalziges Happy End) lesen möchte. Auch der Anhang dieser Ausgabe mit Zeitdokumenten und Deleuzes Studie zum Masochismus bietet viel Interessantes.

Wer allerdings einen erotischen Roman erwartet, der wird enttäuscht werden. Die Erotik steht nicht im Vordergrund und muss vom Leser gedanklich mal mehr, mal weniger ergänzt werden. Um es mit Deleuzes Worten zu sagen: „Von Masoch muss gesagt werden, dass niemand mit mehr Dezenz so weit gegangen ist.“

Catacomb Kitten

Sarina Tyler - Schmerzhafte Verführungen

Mit „Schmerzhafte Verführung – Fesselnde Short Stories“ möchte Sarina Tyler in 10 Kurzgeschichten Sinnlichkeit und Dominanz verbinden und den Leser in die Welt des BDSM entführen.
In „Kein Laut über deine Lippen – Part I“ reizt eine junge Frau ihren Partner in der Öffentlichkeit einer Bar durch Blicke, Gesten und Outfit - um ihn schließlich auf der Toilette zu erlösen. In der „Zirkusabend“ wird ein Fremder erst durch die akrobatische Darbietung einer Zirkusdarstellerin in ihren Bann gezogen. Später fesselt sie ihn an ihr Bett und bringt ihn dort um den Verstand.
Wer Spaß an kurzen Geschichten mit schön beschriebener Verführung, leichten Machtspielchen und spontanem Sex hat, der dürfte an dem 100 Seiten langen Büchlein vielleicht Freude haben. Wer sich allerdings ob des Titels und des Klappentextes mehr an BDSM erhofft, der wird wohl eher enttäuscht werden.
So konnte mich allein „Die Muse“ wirklich fesseln. Eine schön inszenierte Geschichte über eine junge Kunststudentin, die sich auf Grund ihres ständigen Geldmangels auf eine Anzeige meldet, die für Modellmalerei außergewöhnliche Bezahlung verspricht. Das Ziel: Intensive Bilder, die vor Emotionen nur so strotzen. Der Weg: Sie begibt sich in die sexuellen Inszenierungen des Künstlers.

Bernard Montorgueil - Der Garten der qualvollen Freuden

Diesmal ist es eher ein Buch für die Femdom- und Retrofans. Herzstück des Buches sind die zahlreichen Zeichnungen des Autors. Sie sind allesamt coloriert und geben die verschiedensten Szenen der 4 Kurzgeschichten des Buches wieder.

1. Die vier Donnerstage: Die Geschichte eines jungfräulichen 18Jährigen - Jean-Louis, der der herrischen Ausstrahlung seiner reichen Tante verfällt. Obwohl sie ihn warnt und ihm sogar verbietet sie zu besuchen, kann er sich ihr nicht entziehen. An vier Donnerstagen klingelt er an ihrer Tür. An jedem dieser Donnerstage erschreckt sie ihn mit neuen Demütigungen und den anderen Männern, die sie als Sklaven hält. Trotz seiner Bestürzung taucht er immer wieder in der nächsten Woche bei ihr auf, bis er am letzten Donnerstag von ihr an ihre Schwester als Lustknabe verliehen wird. Am selben Tag entschließt er sich sein bisheriges Leben aufzugeben und ebenfalls ihr Sklave zu werden.

2. Ein Nachmittag mit Barbara: Im "Amazonenhaus" einem Club, in dem sich reiche sadistische Frauen allerlei Vergnügungen hingeben, arbeiten zahlreiche Masochisten freiwillig als deren Sklave. Eine reiche Amerikanerin namens Barbara wählt sich einen gutaussehenden Sklaven aus, mit dem sie sich einen Tag lang vergnügen will. Da sie einen stark ausgeprägten Sadismus hat, sind dies vorallem schmerzlastige Praktiken. In einem eigens dafür eingerichteten Raum sind dafür zahlreiche Gerätschaften und Instrumente ausgelegt. Da sie ihn auf Spannung hält, ist er so erregt, dass er sich am Ende von ihr brandmarken lässt um seine Erleichterung haben zu dürfen.

3. Die Nadelliebhaberin: Meiner Meinung nach die kürzeste und auch schwächste Geschichte, aber trotzdem lesenswert.

Zwei begeisterte Nadelliebhaberinnen unterhalten sich über ihre bevorzugten Spiele und Praktiken. Die Szenarien, die geschildert werden sind fantasievoll, wenn auch teils unrealistisch. Nachdem sich eine der Frauen wieder auf den Rückweg macht, ist die dort Wohnende noch sehr erregt. Sie lässt einen jungen Liebhaber zu sich kommen, mit dem sie schlafen will. Sie drückt ihm dabei eine Haarnadel wie einen Dolch in den Hintern bis sie zu ihrem Höhepunkt kommt.

4. Dressur: Ein Herr erzählt seinem Sklaven, der sich noch in der Ausbildung befindet, einige Geschichten von grausamen Frauen und ihm dabei Bilder von diesen zeigt. Der Sklave wird als unschuldig und zahm dargestellt, den diese Geschichten zwar sehr ängstigen und verunsichern, aber trotzdem auch erregen. Auch diese sind wieder typisch: reiche Frauen, die sich zu ihrem Vergnügen Sklaven halten und diese zusammen mit Freundinnen und Verwandten quälen. Allerdings sind diese Geschichten etwas fetischistischer geprägt.

Ich mag dieses Buch, weil es in seinem Stil - meines Wissens nach - recht einzigartig ist. Ich mag dieses Altmodische, teilweise merkwürdig biedere, aber trotzdem sehr Anregende daran. Tiefe Gefühle werden nicht geschildert, es geht eher darum die Praktiken genau zu beschreiben. Die Figuren sind dementsprechend auch nur auf ihre Neigungen reduziert. Es handelt sich also um geschriebenes Kopfkino, in dem so etwas wie Alltag einfach nicht existiert. So sind auch die Dialoge einzig darauf ausgerichtet. Die Frauen (und natürlich der Herr) sind reich, gebildet und gut gekleidet. Die Sklaven wirken in allen Geschichten irgendwie "unschuldig" und süß, haben aber trotzdem immer einen dicken Knüppel in der Hose. Typisch sag ich da.