Das erste Mal II

Wir kannten uns aus Chat, E-Mails und vom Telefon schon seit vier Jahren als wir uns das erste Mal trafen. Die ersten Jahre war es reiner Small-Talk.

Ich, ein junges Mädchen - gerade 20 - das nun zumindest in der Theorie ihre Fantasien rund um Unterwerfung, Dienen, Demütigung und Hingabe erkunden wollte. Und er, Ende 20, bereits mit Erfahrung auf dem Gebiet von Dominanz und Sadismus und amüsiert vom kämpferischen Trotz seiner Gesprächspartnerin. Was mit nichts weiter als gelegentlichen Chats begann entwickelte sich nach knapp vier Jahren plötzlich zu täglichen Gesprächen über unsere Leben, meine Sehnsüchte, seine Erfahrungen und zunehmend auch über meinen Hang zu Trotz, falschem Stolz, der Neigung immer das letzte Wort haben zu müssen und dem eigentlichen Wunsch von jemandem meine Grenzen aufgezeigt zu bekommen. Spielerisch entwickelte sich daraus eine Art Dom-Sub-Beziehung.

Erstmals gestattete ich einem Menschen Druck auf mich auszuüben und mir Regeln zu setzen. Und fühlte mich zunehmend immer wohler damit. Anfangs herrschten noch Zweifel und Ängste bezüglich meiner Sehnsüchte vor. Ich kam mir teilweise albern vor allein und nackt in meiner Wohnung zu knien, nur weil ein Kerl drei Stunden Zugfahrt entfernt es verlangte. Fand es zwar aufregend ihm ansatzweise die Verfügungsgewalt über meinen Kleiderschrank zu gewähren, war aber teilweise noch unsicher darin in Rock und hohen Hacken durch die Stadt zu laufen. War erregt von dem Schmerz den die Klammern an meinen Brustwarzen auslösten und dem Gedanken an ihn während ich in der Ecke kniete, war aber viel zu ungeduldig das 15 Minuten und länger auszuhalten.

Aber zunehmend gewann ich an Sicherheit. Sicherheit in mir und meiner Rolle als Sklavin, Ruhe in und mit mir selbst und dem Wissen, dass Trotz und Bockigkeit nichts ist was ich für mich brauche.

Und so kam plötzlich der Tag an dem mir klar wurde, dass die Sub in mir ihre Berechtigung hat, sie ihre Bedürfnisse hat und diese nicht im Widerspruch zu der freiheitsliebenden, unabhängigen und selbstbestimmten Frau und Studentin stehen müssen.

In der darauf folgenden Zeit wurde uns klar, dass wir uns sehen wollen und auch müssen. Und so packte ich nach fast endlos erscheinenden Wochen am Montag nach meiner letzten Klausur für dieses Semester meinen Koffer und setzte mich in den Zug nach Frankfurt.

Drei Stunden Fahrt bedeuteten drei Stunden Aufregung wie es wohl so live und in Farbe sein würde.

Ob seine Wirkung auf mich sich ins Real transportieren lies und ob er mich überhaupt attraktiv finden würde.

Wie wir uns verstehen würden und was wohl so alles passieren würde. Ob die Schmetterlinge im Bauch, die sich in den letzten Wochen eingeschlichen hatten auch beim tatsächlichen Aufeinandertreffen da wären.

Ich wusste, dass er es gern gesehen hätte wenn ich ihm in Rock, Bluse, Strümpfen und hohen Schuhen entgegengetreten wäre. Aber ich war noch nicht bereit mir die Sicherheit nehmen zu lassen beim ersten Treffen das zu tragen worin ich mich wohl fühlte. So trug ich zwar meine heißgeliebten, nagelneuen roten Pumps, steckte aber in klassisch geschnittenen Hosen und hatte am Morgen aufgrund der sommerlichen Temperaturen Bluse gegen Shirt getauscht.

Und so schritt ich mit laut und schnell schlagendem Herz, den ewig erscheinenden, Bahngleis des Sackbahnhofs in Frankfurt entlang. Wir hatten ausgemacht uns Gleisanfang zu treffen um zu vermeiden uns zu verfehlen. Das war durchaus praktisch gedacht, aber als ich das Gleis entlang schritt wurde mir klar, dass es ihm ermöglichte mich zuerst zu sehen und zu beobachten wie ich unsicher auf ihn zustapfte. Dieses Wissen trug nicht gerade zu meiner Beruhigung bei.

Dennoch fielen wir uns zur Begrüßung erst mal voller Selbstverständlichkeit in die Arme. Hatten wir doch die letzten Wochen beide sehnsüchtig auf dieses erste Treffen gewartet. Die ersten Minuten in denen ich ihm dann zum Auto folgte waren zwar von nervöser Anspannung und dem daraus resultierenden Small-Talk geprägt, aber sein Lächeln war sympathisch und anziehend und mir gefiel was ich da an Mann vor mir hatte.

Und dann folgte etwas das mich erst recht für ihn einnahm: Er reicht mir seinen Ausweis und lies mich meiner Schwester seinen kompletten Namen samt Adresse schicken. Er wollte, dass ich mich sicher fühlen konnte und jemand wusste mit wem ich mich gerade das erste Mal traf. Schließlich sollte ich mich gleich mit einem mir - trotz langen virtuellen Kennens - fremden Mann ins Hotel begeben.

In den vier Wänden angekommen die die nächsten fünf Tage mein Reich sein sollten ging dann alles verdammt schnell. Während in meinem Kopf noch Nervosität und Unsicherheit vorherrschten war er so ruhig, aber dennoch bestimmend und fordernd wie ich ihn die letzten Wochen zunehmend kennengelernt hatte.

Ich traute meinen Ohren kaum als er von mir forderte mich auszuziehen, in die Ecke zu knien und mir die mitgebrachten Klammern anzulegen. Klammern - diese gemeinen kleinen Dingern, die ich so wenig mochte und die er so sehr liebte. Hinzukam: Ich war diesem Mann vor 15 Minuten das erste Mal unter die Augen getreten, und auch wenn meine Schwester genau wusste wo ich steckte, fand ich mich doch schwer irre bei dem Gedanken mich jetzt vor diesem Mann auszuziehen und seinen Blicken auszusetzen, während er angezogen auf dem Bett saß.

Meine Gedanken schwankten zwischen Unsicherheit, Weigerung und dem aufkeimenden Gefühl es tun zu wollen, ihm zu vertrauen und gar nicht anders zu können als ihm zu folgen. War ich nicht auch unter anderem deswegen hier? Weil es vor ihm noch kein anderer Mann geschafft hatte meine Gedanken und Fantasien so zu kicken? Weil ich noch nie einem Mann so spontan zugetraut hatte mich innerhalb meines Tempos und meiner Grenzen zu führen und zunehmend auch über meine Grenzen hinauszuführen? Weil mich dieser Mann in seiner ruhigen, aber fordernden Art so verdammt erregte und kickte? Weil ich wusste auf was ich mich hier einlassen würde?

Und so zog ich mich nach Sekunden die mir wie in Watte verpackte Stunden vorkamen aus, kniete mich in die angewiesene Ecke und legte vorsichtig die Klammern an während er scheinbar desinteressiert mein Strafbüchlein las das er sich vorher von mir hatte aushändigen lassen.

Irgendwann schaute er dann auf, grinste mich mit diesem spitzbübischen Lächeln an das mich die nächsten Tage noch öfters so erregen sollte und fragte nur: „Wie fühlst du dich?"

„Ich frage mich ob ich nicht bekloppt bin. Wir sind noch keine fünf Minuten hier und schon knie ich nackt vor dir.", erklärte ich wahrheitsgemäß. Wieder ein Grinsen. Er stand auf und ging direkt vor mir in die Hocke. Er strich sanft über meine geklammerten Nippel und fuhr erstmals durch die Feuchtigkeit zwischen meinen Beinen. Erneut hatte ich das Gefühl, dass sich das Alles über eine halbe Ewigkeit hinziehen würde. Ich fühlte mich wie in Watte als er wieder das Wort an mich richtete.

„Was willst du?" fragte er mich diesmal.

„Dich küssen!", antwortete ich spontan, fast verzweifelt, aber wahrheitsgemäß.

Noch ein diabolisches Grinsen.

„Dann tu es", war seine schlichte Antwort.

Ich beugte mich vor um den Mann der seit Wochen meine Sehnsüchte und Masturbationsfantasien bestimmte zu küssen. Der Mann, der mich von Anfang an fasziniert hatte, bei dem ich aber immer das Gefühl gehabt hatte er sei unerreichbar.

Und es passierte etwas, das ich vorher noch nie bei einem Kuss erlebt hatte. Ich begann am ganzen Körper zu zittern und ich hatte das Gefühl, dass meine Lippen bebten als wir uns endlich küssten. Und als er mich danach wieder auf die Beine zog hatte ich das Gefühl gleich zusammenzuklappen weil meine Beine mich nicht tragen würden.

Aber der Mann schaffte es mich noch weiter aus der Fassung zu bringen.

„Zieh dich an, wir gehen erst mal spazieren, ich glaube das tut dir jetzt gut."

Bitte? Spazieren gehen? Ich hatte damit gerechnet, dass es jetzt gefälligst weitergehen würde. Und jetzt wollte dieser Irre nach DIESEM Kuss spazieren gehen? Aber ich zog mich wieder an und folgte ihm.

Ich habe heute keine Ahnung mehr über was wir uns unterhielten. Ich weiß nur, dass ich ständig bemüht war meine Beine unter Kontrolle zu halten und noch total gefangen war von dem was ich da gerade erlebt hatte.

Mein Verlangen nach „mehr" sollte sich erfüllen sobald wir wieder im Zimmer waren.

Kaum war die Tür hinter uns geschlossen öffnete er seine Hose und forderte mich auf mich wieder auszuziehen und ihn zu verwöhnen. Begierig stürzte ich mich auf diese Aufgabe und kniete mich vor das Bett auf dem er es sich bequem gemacht hatte. War das doch ein Gebiet auf dem ich mich sicherer fühlte und von dem ich wusste, dass ich mehr als „ganz passable" Leistungen erbringen würde. Und so lies ich seinen Schwanz in meinen Mund gleiten und liebkoste ihn.

Ein vorsichtiger Blick in sein Gesicht sagte mir, dass ihm gefiel was ich da tat.

„Du machst das verdammt gut mein Mädchen" bestätigte er mir dann auch.

Mein Mädchen... Dieses Kosewort für mich das ich so liebte. Ich war glücklich, dass ihm gefiel was ich da tat und liebkoste ihn begierig weiter. So dauerte es auch nicht all zu lang, dass er in meinem Mund kam, bevor er - immer noch erregt und steif - mich zu sich aufs Bett zog, seine Finger in meine Nässe tunkte und von Hinten in mich eindrang.

Dabei konnte ich immer nur an eins denken: Gott, ich habe Sex mit diesem tollen Mann, mein Herr schläft mit mir. Mein Herr. Dieser Ausdruck der Huldigung der zwischen uns bisher noch nie gefallen war. Den ich anfangs albern fand, aber inzwischen längst fühlte. Der nie gesagt worden war weil ich wollte, dass es ein besonderer Moment sein sollte. Ich wollte es nicht zu einem Mann im Chat oder am Telefon sagen dem ich zwar vertraute, der mich erregte und dem ich in unserem kleinen Spiel folgte, aber den ich dann doch noch nicht wirklich kannte. Ich wollte es nicht online sagen, ich wollte es ihm persönlich sagen. Auch wenn ich es schon lange fühlte.

Und als ich es ihm nun sagte, da hatte ich das Gefühl angekommen zu sein.

Wir waren danach noch 3 Jahre zusammen. Auch heute denke ich noch gerne an meine erste Erfahrung zurück und ich wünsche jedem ein ebenso schönes "erstes Mal", wie ich es hatte.

© 2009 by SevenSins

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