Mein erstes eigenes Korsett

Ich möchte lieber von meinem ersten eigenen Korsett berichten, als von meinem ersten überhaupt. Vom ersten überhaupt gibt es nämlich nicht besonders viel zu sagen... nur, daß ich mal eins von einem Freund anhatte – es war ein Frauen - kein Männerkorsett – mich darin recht nett fand, weil es schön schlank machte... insgesamt war ich aber nicht besonders berauscht davon, weshalb das auch wieder in Vergessenheit geriet. War eben genug zu sagen, man hätte ein Korsett angehabt und es war interessant.

Mein erstes eigenes Korsett bekam ich erst Jahre später, nachdem ich ein paar mehr Korsetts anhatte und mir das eingeschnürt sein wirklich ein gutes Gefühl vermittelte. Ab einem bestimmten Zeitpunkt machte mich das Korsettiertsein auch an. Einfach das Gefühl des eingeschnürt Seins, die enge, als würde jemand schützende Hände um mich legen, machten das Korsetttragen so erstrebenswert. Der Wunsch nach Nähe und vor allem das verstärkte Körpergefühl, was ich durch das Korsett hatte, war jede Entbehrung wert. Nicht zu vergessen die aufrechte Körperhaltung, der grazilere Gang, den man durch das Korsett bekam und natürlich die bewundernden und erstaunten Blicke der Anderen. Wahrscheinlich stärkte diese ganze Korsettsache meinen Exhibitionismus noch mehr.

Die Art von Bestätigung, die man durch die Mimik der anderen, Kommentare und das eigene Präsentierenkönnen bekam, pushte mich ziemlich. Obgleich das nicht heißt, daß ich Korsett immer offen trage. Ganz im Gegenteil trage ich es fast überwiegend versteckt, da mich das Gefühl, daß ich etwas habe, was andere nicht wissen, noch mehr anmacht. Der Gedanke, angeglotzt zu werden, wobei nur ich weiß, warum die eigentlich so starren, ist schon etwas sehr schönes.

Mit Mitwissern verhält es sich dann jedoch auch ähnlich. Jemanden dabei zu haben, der auch weiß, warum ich so schön grazil herumhüpfe und warum ich so schön schlank aussehe, der eben auch mit mir eingeweiht ist - im Gegensatz zu allen anderen, das gibt auch einen schönen Kick.

Mein erstes eigenes Korsett hab ich bei „Revanche de la femme“ in der Uhlandstrasse bestellt. Als ich da war, probierte ich zwei an und die Wahl war gefallen. Ein Taillenkorsett sollte es sein, weil ich das irgendwann mal als Arbeitskleidung tragen könne. Da ich als Krankenschwester arbeite, habe ich natürlich ein weißes Korsett aus Satin gewählt. Einschnüren sollte es schon ordentlich und so wurde es auch ne Nummer kleiner als empfohlen bestellt. Bezahlt wurde sofort und das Korsett erleichterte den Geldbeutel um 190 Euro.

Ungefähr zwei Wochen sollte es dauern, bis ich es abholen kommen könne. Die Wartezeit daheim kam mir wahrlich wie eine Ewigkeit vor und irgendwann nach zwei Wochen rief RDLF auch endlich an, ich könne das Korsett abholen. Mein Herz machte am Telefon schon wahre Luftsprünge und ich sagte alle meine Verabredungen ab, um es abholen zu fahren. Ich eilte, so schnell ich konnte die Uhlandstrasse hinab, die mir immer länger vorkam. Bei RDLF angekommen, wog ich das Korsett in meinen Händen hin und her und bewunderte seine Reinheit und den ausgesprochen schönen Schnitt. Mir kam es allerdings viel kleiner vor, als ich es bei der Anprobe in Erinnerung hatte.

Ich ließ mich gleich ordentlich einschnüren und machte mich dann wieder von dannen. Glücksgefühle durchströmten mich, Adrenalinschübe ohne gleichen, als würde ich zehn Zentimeter weiter oben lang laufen. Ich hetzte die Uhlandstrasse den gleichen Weg zurück und war versucht, im gleichen Tempo wie auf dem Hinweg zu laufen, schaffte es aber nicht, weil ich richtig außer Atem kam. Ich mußte da wirklich mitten auf der Straße anhalten um ordentlich Luft zu holen. Telefonieren und Laufen parallel war echt nicht drin, ich mußte stehen bleiben! Also an diese Enge mußte ich mich definitiv noch gewöhnen.

Fortan trug ich das Korsett nicht weniger als sechs Stunden täglich, um mich richtig daran zu gewöhnen. Zu allen Gelegenheiten behielt ich es an. zum Einkaufen, zur Hausarbeit, auf Toilette und späterhin sogar zum Schlafen. Es dauerte keine zwei Monate, da bekam ich es schon mit Leichtigkeit allein zu. Mein Taillenumfang hatte sich mit Korsett auf 57 cm reduziert. Einzig meine breiten Beckenknochen bescherten mir ab und an mal ein paar Probleme, da ich auf den Beckenknochen so etwas wie Druckstellen entwickelte. War nicht besonders angenehm, zeigte mir aber, daß es wirklich unterschiedliche Art und Weisen gibt, ein und dasselbe Korsett anzuziehen. Manchmal rutschte es etwas hinunter, da tat es mehr weh, manchmal verzog es sich etwas, dann zwickte es an anderen Stellen.

Körperliche Veränderungen habe ich natürlich auch wahrgenommen. Was jedem zuerst auffallen wird ist, daß man mit Korsett wirklich nicht so schnell und nicht soviel essen kann wie sonst auch. Ein starkes Sättigungsgefühl tritt schon ein, wenn man einen größeren Becher Kakao trinkt. Etwas zu essen macht die Sache wirklich noch komplizierter. Wenn man eng geschnürt ist, merkt man förmlich, wie sich jeder Bissen den Rachen runterquetscht, im superzusammengequetschten Magen landet und sich dann weiter durch den Darm quetscht. Wenn man zuviel auf einmal ißt, artet das richtig in Schmerzen aus, die nur schwer zu ertragen sind. Man möchte dann aufstehen, sich hin und her bewegen und somit die Bissen irgendwie schneller herunterrutschen lassen. Leider gelingt das fast gar nicht. Ein weiteres Problem dabei ist die generelle Verdauung. Alles dauert länger und kann auch teilweise um einiges beschwerlicher werden als ohne Korsett. Die Beweglichkeit ist natürlich zu Beginn auch rapide eingeschränkt. Man kann sich nicht bücken, ohne daß einem binnen Sekunden die Birne rot wird und das Blut in den Schläfen anfängt zu pochen. Atmung ist dabei aber wirklich alles. Man muß einfach nur wissen, wie man zu atmen hat und das lernt man auch mit fortwährendem Tragen des Korsetts.

Natürlich ist man sonst auch im Bewegungsradius arg eingeschränkt, man wird eben eine starre Haltung gezwungen, der man nur mit minimalen Bewegungen entweichen kann. Je länger man sein Korsett aber trägt und je mehr es sich dem eigenen Körper anpaßt, desto besser kann man sich damit bewegen und desto eher weiß man später, was für "Sprünge" man damit machen kann und was nicht. Das Korsett ist heute noch mein allerliebstes Lieblingskorsett und ich trage es unheimlich gern. Es hat sich schon so gut an meinen Körper angepaßt, daß es sich schon ein wenig mehr in die eine oder andere Richtung gezogen hat. Es ist auch schon mal etwas daran kaputt gegangen und ich war glücklich, daß es von RDLF repariert werden konnte, so daß es fast aussieht wie neu.

© 2004 by Marit

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