Die erste Party II

Anmerkung der Redaktion: Bei den hier beschreibenen Partys handelt es sich immer um Veranstultungen ab 18Jahren!

Mein erster Partybesuch

Der Vorlauf für den ersten Partybesuch war schon immens. Man war schon bei einigen Treffen, hatte schon dies und das gehört. u.a. auch vom verruchten "kit-kat-club", der einen Besuch wert zu sein schien. Zumindest, da dort ohnehin alle Welt hingerannt ist, die sm-mässig etwas auf sich hielt. Nicht nur sich zu überwinden, den Wunsch nach neuem zu verwirklichen, auch ein sogenannter Dresscode bildeten anfangs ein immenses Hindernis. Da aber geeignete Klamotten nicht gerade günstig zu Buche schlugen, mußte man sich also schon beim Erstkauf auf eine gewisse Richtung festlegen. Gängige Dresscodes waren naked, Lack, Leder, Gummi, Latex. Als ahnungsloser "Anfänger" sich da spontan zu entscheiden war einfach nicht möglich. Also mußte ein Besuch im Klamottenladen her. Ich glaub wir waren damals in der "Schwarzen Mode" in der Uhlandstrasse. Allein den Laden zu betreten kostete schon einiges an Überwindung und hatte so ein wenig was von "Outing" an sich. In dem Geschäft hatte ich dann auch erstmals Gelegenheit, richtig viel dieser "anrüchigen" Stoffe durch meine Hände gleiten zu lassen. Ich weiß noch, daß ich Gummi wie Autoreifen fand, bei Latex hab ich nur an massenhaft Schweiß gedacht und Leder war mir insgesamt wirklich zu derbe. Blieb also nur noch Lack übrig. Ich probierte ein, zwei Teile an und führte sie meinem Begleiter vor, der nicht wirklich eine Entscheidungshilfe war, da er einfach bei jedem Fummel "jaaa--ohh-jaa!" in höchsten tönen von sich gab. Besonders erinnern kann ich mich nicht mehr an die Klamotten, die ich da nun alle anhatte... ist ja inzwischen auch schon 5 Jahre her. Gekauft habe ich letztendlich eine Menge, was ich sicher nicht gekonnt hätte, hätte ich nicht durch einen Schulunfall ne Entschädigung bekommen (war eigentlich keine Entschädigung in dem Sinne, aber das führt zu weit, das genau hier zu erklären – das interessiert auch keinen) und damit eben eine Menge Geld für Klamotten übrig. Ich glaub, ich hab damals an die 600 DM für mein erstes Outfit ausgegeben, was wirklich eine Menge Geld für mich war. Dafür hatte ich dann auch ein Lack-Schnallen-Minikleid, ein paar Lack-Armstulpen zum Schnüren, einen Slip mit Strapsen (der viel zu groß war, dafür aber runtergesetzt), nen BH, ne Hose und ein paar Stiefeletten erstanden. Mein Partner hatte sich ne Lackhose und ein Lackhemd geleistet und wir fanden beide, daß wir als Paar ganz entzückend aussahen und wir so ja wohl auf jede SM-Party gelassen werden müßten. Wir haben dann ein paar Photos von seinem Sozialarbeit studierenden Mitbewohner machen lassen, der die Sache tapfer ertrug und uns – im Lackoutfit wild herumknutschend – anstandslos photographierte. Freilich ging er nicht so weit, uns noch Tips zum Posen zu geben, allerdings war das auch nicht von Nöten... hatte mein Partner doch die dominanten Haltungen alle schon perfekt drauf und ich bemühte mich wirklich recht submissiv zu gucken, was mir da noch nicht so leicht fiel wie heute. Hach ich werd ganz nostalgisch, wenn ich daran zurückdenke. ;)

Rein klamottentechnisch waren wir also für die erste Party gewappnet.

Die Webseiten von BDSM-Berlin halfen uns beim Finden der Location weiter und so machten wir uns eines schönen Abends auf den Weg in die Glogauer Strasse (ich glaub da ist jetzt das XS drin, wenn es das noch gibt... damals war’s halt das Kitty). Ich weiß noch, wie wir die ganze (...ist das die Skalitzer?) lange, endlose Strasse runtergelaufen sind und ich bei jeder Querstrasse dachte "Was? Immer noch nicht da?". Mithin war es schon dunkel und finstere Gestalten damals in Kreuzberg unterwegs. Gut, daß ich einen nicht minder finster blickend könnenden Begleiter hatte, der bereit war meinen Schutz bis zum Äußersten zu gewährleisten. Irgendwann kamen wir an der vorgesehenen Adresse an, wußten aber nicht, wohin wir gehen sollten. Nach anfänglicher Skepsis schlugen wir uns allerdings bis in den letzten Hinterhof durch und klopften dann an einer schwarzen, gänzlich mies ausgeschilderten Türe an. Ein großer Kerl öffnete, schaute skeptisch und ließ uns aber ein. Wir waren ja im normalen Alltagsoutfit gekommen und mußten uns erst umziehen. Das taten wir dann auch unter den verstohlenen Blicken des Türstehers. So richtig was zum umkleiden hatten die da nicht, war mir schon ein bißchen peinlich, die Hüllen vor den anwesenden Augen fallen zu lassen, um mich umzuziehen. Diese Hürde war dann aber überstanden und wir konnten den Kitkat-Club betreten. Dunkel war es drinnen... wir steuerten auf eine kleine Gruppe von weniger als 20, zumeist männliche, Personen zu, die alle zu einer Bühne gewandt zu sein schienen. Der erste Weg ging zur Bar, wo wir uns total überteuerte Getränke holten. Das bißchen Cola und Wasser rechtfertigte den Preis mitnichten. Von der Bar aus konnte ich dann schon einige Damen der Schöpfung betrachten, die zumeist im Dresscode naked das Ambiente bereicherten. Der nächste Blick ging zur Bühne, wo gerade eine hübsche Frau im Rokoko-Kleid aus den "100 Tagen von Sodom" las. Ein paar Passagen waren schon sehr anregend, was man den anderen Gespielen, die sich da noch auf der Bühne tummelten, ansah. Einer von denen, besonders schräg aufgemacht – nämlich bierbäuchig, glatzköpfig und nur mit Maske bekleidet – ornanierte bei ihren Worten. Schon ein wenig befremdlich die ganze Szene für mich damals, aber dadurch nicht minder spannend. Dem Spektakel schauten wir noch eine Weile zu, bevor wir dann mal die kompletten Räumlichkeiten des Kitkat-Clubs auskundschafteten. Viel gab es da nicht zu sehen... neben dem Eingang befand sich noch ein Raum, der ein paar erhöhte Sitzmöglichkeiten hatte, auf denen komische Matratzen ausgelegt waren. Ich mochte mich schon damals nicht fragen, was diese Matratzen schon alles mitgemacht, geschweige denn "gesehen" haben. Wir setzten uns trotzdem ein wenig abseits in diesen Raum und fingen alsbald von der Hintergrundmusik (war es Techno oder Trance? ich weiß nicht mehr genau) an uns miteinander zu beschäftigen. Schnell merkte ich im Augenwinkel eine Bewegung, die mich erschrecken ließ. Meinem Begleiter war es auch aufgefallen, daß sich im Halbdunkel, einige Meter neben uns noch eine weitere Person befand. Meine Versuche, die Küsse so hinzulenken, daß ich auch die andere Gestalt ein wenig sehen konnte, führten schnell zum Erfolg. Und so wurde ich eines fetten Typen gewahr, der sich doch tatsächlich auf "unserer Szene" masturbierte. Damals fand ich das aber alles andere als anregend... eher versetzte es mich in angstvolles Erstaunen. Irgendwann wurde uns die Sache dann zuviel, denn weder mein Begleiter, noch ich, waren auf unserer ersten Party dermaßen exhibitionistisch, daß wir als Vorlage für einen fetten Typen dienen wollten. Wir verbrachten noch ein wenig Zeit unter den anderen Anwesenden vor der Bühne und verzogen uns dann bald wieder nach Hause, um den Abend da ausklingen zu lassen. Alles in allem fand ich das als erste Partyerfahrung schon okay, war es weder zuviel, noch zuwenig "pervers", so daß ich unzufrieden gewesen wäre.

© 2004 by Marit

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